Mittwoch, 9. Mai 2012

Meine Nähmode vs. Burda Style


Gestern feierte ich hier im Stillen mit meinem Technik-Fraggel eine Premiere: meine erste Meine Nähmode flatterte in meinen Briefkasten. Auf diese Zeitschrift bin ich durch das Forum von Natron & Soda gestoßen und habe sie, da ich sie hier nirgends finden konnte, direkt mal ungesehen ins Jahresabo genommen.
Zeitgleich lag auch dank Abo die aktuelle Ausgabe der Burda Style im Briefkasten, so dass ich die beiden Zeitschriften direkt vergleichen kann.

Der erste entscheidende Unterschied ist, dass Meine Nähmode einmal im Quartal erscheint, die Burda Style monatlich.

Preislich nehmen sich die beiden Zeitschriften nicht viel - eine Ausgabe der Meine Nähmode kostet glatte 5€, für eine Burda Style legt man 4,90€ auf den Ladentresen. Im Jahr also bezahle ich für das eine Abo 20€ und für das andere Abo 58,80€. Naja, das möchte ich aber dennoch nicht als Grundlage nehmen, um einer Zeitschrift den Vorzug gegenüber der anderen zu geben.

Vergleiche ich beide Zeitschriften auf den ersten Blick, so gefällt mir an Burda Style das qualitativ hochwertigere Papier besser. Pluspunkt definitiv für die Burda (0:1).

Beim ersten oberflächlichen Überfliegen fällt mir auf, dass in der Meine Nähmode keine Werbung drin ist, hingegen stört mich diese bei der Burda Style schon sehr - dieser Punkt also geht an Meine Nähmode, 1:1.

Nun geht es ans Eingemachte :) Bei einer Nähzeitschrift liegt mein Fokus natürlich bei den Schnitten, die vorgestellt werden.
In Meine Nähmode werden Schnitte von Simplicity vorgestellt, in denen die Nahtzugaben bereits im Schnitt enthalten sind. In der Burda Style werden selbstredend Schnitte von Burda verwendet.
Ich persönlich habe bisher nur Schnitte von Vogue und Burda vernäht, kann also nichts über die Passgenauigkeit der Schnitte von Simplicity sagen. Bei Burda weiß ich, dass mir die Schnitte vorne und hinten nicht passen und ich immer einige Änderungen vornehmen muss.
Hier geht wegen der enthaltenden Nahtzugaben der Punkt ebenfalls an Meine Nähmode - 2:1.

Nun die einzelnen Schnitte.
Bei der Burda Style fällt mir auf, dass im Grunde fast jedes Teil bereits als Variation in den vorangegangenen Heften enthalten war, mit Ausnahme der bodenlangen Röcke. Auch ist figurschmeichelnd irgendwie anders - Sackmode passt hier wunderbar als Begriff. Da ich auf einer alten Pfaff 210 nähe, die keine Jerseys verarbeiten kann, fallen für mich viele Schnitte momentan einfach noch unter den Tisch. Auch mit den Reste-Verwerte-Tipps kann ich diesmal nichts anfangen (einen Teddybären im Schlafsack??? Oder einen Sitzsack aus Jeanshosenreste - also hier geht das Recycling für meinen Geschmack dann doch zu weit).
In der Kollektion "Sonnige Urlaubsgrüße" gibt es sehr altbacken wirkende Kleider und Tops, deren Ausschnitt irgendwie dahin geschmuddelt aussieht. Balihosen sind nicht so mein Ding. Und an Kindermode bieten sich hier auch nur Mädchenkleider zur Wahl - als würden Burda-Leser(-innen) nur Mädchen bekommen.
Die "Into the Wild"-Kollektion irritiert mich auf den ersten Blick durch die Farbwahl - helle Farben? In der Wildnis würde ich ja eigentlich eher auf dunkle Pastelltöne setzen. Na gut. Die vorgestellten Westen betonen meiner Meinung nach nicht die Weiblichkeit - eher im Gegenteil. Der Rest mag größtenteils so gar nicht meinen Geschmack treffen. Den ein oder anderen Schnitt aber finde ich nicht schlecht, zum Thema aber unpassend. Eine Jacke wandert aber nichts desto trotz bei jeder Betrachtung weiter nach oben in meiner Beliebtheitsskala - jedoch wollte ich erstmal keine Jacken mehr nähen.
In "Der geheime Garten" entdecke ich den oben genannten bodenlangen Rock, den ich sehr schön aber wenig alltagstauglich finde (den Rock zieht man doch nur durch den Dreck!).
Aber wieder finde ich hier Oberteile mit gerafftem Ausschnitt oder mit den Falten am Ausschnitt, der bereits in den letzten Ausgaben zu genüge verwurstet wurde. Die Kleider und Jacken sind eher sackig denn "feenhaft" - was zumindest ich ob des Namens erwartet hätte.
In "City Lights" erwartet mich auch nichts wirklich neues - vielleicht der Rock, den man mit seinen Tunnelzügen beliebig raffen kann. Aber die üblichen Röcke kommen mir bekannt vor. Die Jacken und Hosen erinnern mich dann doch zu stark an Schwangerschaftsmode - worauf ich mit ein wenig Bäuchlein lieber verzichte.
Auf den ersten Blick also bietet sich für mich nur ein Schnitt einer Jacke an. Selbst bei Betrachtung der technischen Zeichnungen mag mich sonst nichts überzeugen.

Apropos technische Zeichnungen: bei Meine Nähmode fällt mir direkt ins Auge, dass nicht alle Modelle mit einer Fotografie vorgestellt werden. Der Großteil ist meist nur als Zeichnung zu sehen. Hm, was ich davon halten soll, weiß ich noch nicht. Zum einen finde ich die genähten Umsetzungen häufig irreführend und entscheide lieber auf Grund der Zeichnung. Andererseits wirkt das nur mit technischer Zeichnung ein wenig lieblos. Hmmmm.

Dank nicht vorhandener Werbung steigt man bei Meine Nähmode direkt bei den Schnitten ein.
Die Miniröcke finde ich zwar nicht besonders originell, aber immerhin warten sie mit witzigen Details wie übergroße Taschen auf. Mir gefällt es. Den ein oder anderen Rock werde ich hier im Blog bestimmt auch mal nähen. Nie auf die Idee bei einem Tellerrock auch mal Nahttaschen einzuarbeiten wäre ich ohne dieses Heft gekommen. Hier war auch die technische Zeichnung hilfreich, denn ohne hätte man das gar nicht erkannt.
Die vorgestellten Kleider sind zwar wie auch in der Burda Style ziemlich sackig, aber mit Modell 27 kommt auch ein ziemlich heißes Teilchen daher. Leider nur bis Größe 38.
Aber auch für „große Größen“ bietet das Heft taillierte Mode – denn Frauen mit Kurven sind durchaus sexy! Allgemein sind in dieser Zeitschrift die Modelle eher auf die Durchschnittsfrau mit Größe 40 ausgelegt.
Sehr gelungen finde ich den Teils mit dem Sommerkleid – bei dem die Zeitschrift einen direkt selber auffordert, bei den vorgestellten Trägerlösungen und Längen selbst ein wenig zu experimentieren – und nicht jede Kombination als neuen Schnitt unter mogeln will.
Bei den Oberteilen mag ich den Tunika-Stil nicht so gerne. Die Hosen kommen alle mit geradem Schnitt daher und sehen weder nach Schwangerschaftsmode noch nach Schlabberhose aus. Auch das gefällt mir – dennoch werde ich wohl erstmal keine solche Hose nähen wollen.
Sehr gefällt mir die Wickelbluse bzw. die Wickelblusen – denn es werden gleich fünf verschiedene Wickelblusen vorgestellt! Und auch noch für große Größen.

Trotz der teilweise lieblosen Darstellung der Modelle geht für mich der Punkt eindeutig an Meine Nähmode – 3:1. Auch wenn das Heft natürlich ebenso wenig wie die Burda das Rad neu erfindet, so überrascht mich doch die Vielfalt der vorgestellten Modelle.

Nachdem ich die Schnitte betrachtet habe, vergleiche ich natürlich auch die Nähanleitungen. Spricht Meine Nähmode vielleicht ein Äquivalent zu Burdanesisch? Nein, das tut sie nicht. Die Anleitungen sind verständlich und jeder Schritt zusätzlich mit einer Zeichnung versehen. Wow! So einen Luxus bin ich aus der Burda Style nicht gewohnt – zumindest als Anfänger tat ich mir mit dem Burdanesisch sehr sehr schwer. Wieder einen Punkt an Meine Nähmode – 4:1.

Wie sieht es mit dem Schnittbogen aus?
Auch wenn es kaum zu glauben ist als Burda-Leser: es geht noch unübersichtlicher! Zumindest ich kann auf dem ersten Blick einfach mal so gar nichts erkennen auf dem Striche-Wirr-Warr der Meine Nähmode. Klarer Sieger hier ist die Burda Style: 4:2.

Mich hat Meine Nähmode wirklich angenehm überrascht – allerdings muss ich auch einräumen, dass diese Ausgabe der Burda Style auch wirklich schwach war. Auch wenn das neue Heftchen in meiner Sammlung wirklich deutlich mit 4:2 im Vergleich gewonnen hat – bei mir haben beide Zeitschriften ihre Daseinsberechtigung im Näh-Regal.
Gespannt aber bin ich auf den nächsten Vergleich im Herbst. Vielleicht lässt meine Euphorie ja auch bereits bei der zweiten Ausgabe wieder nach.

Kommentare:

  1. Ich besitze auch ein paar "Meine Nähmode-Hefte" und die gefallen mir wirklich gut - ich bin aber auch ein Fan von Simplicity-Schntiten, das hat mich sicher beeinflusst.
    Soweit ich das weiß werden in den Heften vorallem (aber nicht ausschließlich) alte, vergriffene Simplicity-Schnitte abgedruckt. Nicht ausschließlich weil ich selber letzetns den Fall hatte das ich eine Jacke aus dem Heft total toll fand, sie war aber nur bis Größe 42 abgedruckt und ich hab dann im Stoffladen (wo sie auch Einzelschnitte verkaufen) zufällig genau diese Jacke als Einzelschnitt gesehen und in Plusgrößen gekauft.


    Ich kauf mir auch nicht jedes Heft - zum Glück habe ich nämlich die Möglichkeit bei uns am Bahnhof vorher reinzublättern und nach gefallen zu entscheiden. Für mich ist es eine tolle Alternative zur Burda, da schaue ich mir überhaupt nur noch die Burda Plus an wenn - da habe ich einmal ein tolles Heft ergattert. Ansonsten frustriert es mich nur das alle Plus-Modelle irgendwie gleich aussehen in den normalen Burda Styles (und mir vielleicht 2,3 von den normalen Sachen gefallen, die aber eh zu klein sind...).

    Falls du die Möglichkeit hast die mal anzuschauen finde ich auch noch "Diana Moden" und "Sabrina" interessant. Von der Aufmachung her richtet sich die zwar eher an etwas ältere Frauen (ich würde sagen so circa 40-50 Jahre), da sind aber auch interessante Schnitte dabei und ich komm mit den Anleitungen ganz gut klar.

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  2. Meine Nähmode ist mir auch schon mal beim Stöbern im Zeitschriftenregal in die Hände gefallen.

    Von den Schnitten her kann ich leider nicht viel dazu sagen, weil ich von Meine Nähmode noch nichts genäht habe. Aber auch ich hab wie Amy selbst mit Burda Plus so meine Probleme.

    Ganz ehrlich ich hab mir mal nen Kleid aus einer Diana Moden oder Sabrina (genaues weiß ich grad nicht) genäht und ich bin bis heute begeistert. Auch wenn es schwerer als bei der Burda ist, sich auf den Schnittbögen zurecht zu finden. Von den Anleitungen her sind die wesentlich verständlicher als Burdanesisch. Mir ist dass immer zu hoch gestochen und eher auf den erfahrene Schneiderin ausgelegt. Tja man kann nicht alles haben.

    Es muss ja nicht alles Burda sein, denn meistens ist es nur ein bisschen geprolle finde ich zumindest.

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  3. Ok, jetzt habt ihr beiden mich auch noch auf "Diana Moden" und "Sabrina" neugierig gemacht :) Wenn ich die mal finde, blättere ich sie aufmerksam durch. Ich finde ja, dass man eigentlich niemals genug Schnittheftchen daheim haben kann...also sofern man noch Platz hat *lach*

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  4. Diana und Sabrina gibt es bei mir um die Ecke, ich kann dir gerne mal welche besorgen, wenn du magst.
    Ich persönlich kaufe wenn dann Ottobre oder Burda Style. Und auch bei mir hat es mit den Größen zu tun. Diana und Sabrina fangen eigentlich immer ab 36 oder 38 an. Das ist mir aber zu groß, so dass ich immer etwas ändern muss. In der Burda sind zumindest ab und an ein paar Schnitte ab 34 drin. Bei Meine Nähmode gab es zumindest 2 Modelle, wobei ich da die Passform noch nicht ausgetestet habe.
    Dass sich die Burda wiederholt sehe ich auch so. Hat man aber mal für 1 bis 2 Jahre nen Abo hat man ein super Repertoire an Grundschnitten, die man variieren kann.

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  5. Ich find auch dass man nie genug Schnittheftchen haben kann... ;) deswegen stürz ich mich auch jedes, das ich beim Bahnhof finden kann *g* aber mit nachhause dürfen dann halt nur die die mich überzeugen.

    Und Nachtdrossel hat Recht, Diana und Sabrina haben keine so kleinen Größen, das war jetzt für mich nicht von Relevanz weil ich mich ja auf der anderen Seite des Spektrums bewege :)

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  6. Einen Blick in die Diana konnte ich heute bereits werfen und werde wohl auch mal beim Zeitschriften-Dealer ums Eck schauen, ob er sie hat. Denn gefallen hat sie mir auch. Es ist halt mal etwas anderes als die Burda.
    Die Ottobre habe ich bislang immer wieder zurück gestellt, da sie mir nie wirklich gefiel. Aber ich kann ja mal erneut hinein schauen.

    Nachtdrossel, du hast Recht, was das Reportoire an Grundschnitten anlangt, wenn man die Burda Style mal sammelt. Daher bestelle ich auch mein Abo nicht ab - obwohl ich in den letzten Monaten so wenig aus den Burdas ziehen konnte. Aber nach meinen Erfahrungen finde ich auch erst Monate nach Erscheinen einen Schnitt, der mich anlächelt.

    Größentechnisch liege ich ja auch ein wenig "weiter oben" dank gebärfreudiger Hüfte (*kicher*), vielleicht sagt mir deshalb ja auch die Meine Nähmode so zu. Bei Burda schrecken mich nämlich auch oft einfach diese dürren Models ab. Da denke ich immer: "Da schaut's toll aus, du aber sähst wie ein Elefant drin aus."

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  7. Hm ich schaue mir die Modelfotos auch meist nicht mehr an, da erkennt man eh kaum was. Nach einem Blick auf die Übersichtsseite der technischen Zeichnungen, bei denen ja auch die Größen drunterstehen, entscheide ich, ob ich sie kaufe oder nicht. Und mittlerweile wandert sie eben meistens zurück.
    Aber du hast recht, meistens findet man nach ein paar Monaten erst Sachen, die einen total gefallen.
    Ich habe bisher auch nur eine Ausgabe einer Ottobre. (Die aktuelle, hat mir meine Mama gegönnt :) und eine mit Kindermodellen.
    Generell ein spannendes Thema. Vllt wird es ja irgendwann *die* Nähzeitschrift geben. Ich glaube aber eher nicht ;)

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