Mittwoch, 30. Januar 2013

"Modell mela" V2


Wie kommt es, dass man sich Projekte anlächelt, die hinterher als Schrankleichen ihr Dasein fristen? Warum lassen wir uns von einem so schönen Hobby stressen und frusten, um das uns so manch einer beneidet? Gehen wir so unreflektiert an die Sache, dass wir entweder sehr optimistisch das ungute Bauchgefühl ignorieren oder wir uns von unserer Experimentierfreudigkeit übermannen lassen?
Wäre es da nicht sinnvoller, bei einem selber auf Nummer „Sicher“ zu gehen? Sich an die Schnitte und Farbkombinationen setzen, bei denen man weiß, dass sie einem voll und ganz zusagen?
André Gide sagte mal
„Der Mensch kann nicht zu neuen Ufern aufbrechen, wenn er nicht den Mut aufbringt, die alten zu verlassen.“ Der gute Mann hatte selbstverständlich Recht. Ich für mich habe aber beschlossen, den Aufbruch zu neuen Ufern nicht mehr an der Nähmaschine zu erproben. Wenn ich experimentieren möchte (mit Farben oder neuen Passformen), gehe ich lieber in einen Laden und probiere erst einmal an. Wenn dann auch nach Betrachten im Spiegel mein Magen nicht lauthals rebelliert, unterstütze ich die Marktwirtschaft durch Kauf des Stückes und gehe in Phase Zwei über: Testen, ob das neue Stück für mich auch alltagstauglich ist. Und wenn Phase zwei erfolgreich überwunden ist, dann weiß ich, dass ich mich – sollte mir mal ein passender Schnitt und passender Stoff in die Hände fallen – sorglos an das Selbstreproduzieren machen kann. Ohne mit zu erwartendem Frust, ohne Schrankleiche.
Klingt doch nach einem Plan, oder?

In meinem Schrank herrscht seit geraumer Zeit ein kleines Defizit an Röcken. Ja, wirklich! Zuletzt habe ich mich einfach von zu vielen Stücken getrennt und so den Rockbestand auf die Exemplare reduziert, die ich wirklich sehr gerne trage. Das sind mittlerweile *hust* fünf Stück. Ich trage aber täglich Rock (außer beim Sport), so dass mir das natürlich vorne und hinten nicht langt. An dieser Stelle begann übrigens mein Dilemma, da ich letztes Jahr an der Rock-Front so viel Mumpitz genäht habe. Daher war mein Entschluss auch sehr naheliegend (und Selene unterbreitete mir den gleichen Vorschlag): ich nähe den einzigen Rock aus 2012, der mir gefällt, einfach in mehreren Varianten nach.
Und genau das habe ich die letzten Tage getan. In meinem Stofflager fristet noch schwarzer Baumwollcord sein Dasein und grünes Schrägband hatte ich auch noch gebügelt auf Lager. Heraus kam dann dieser schicke Rock hier, den ich die letzten beiden Tage auch direkt einweihen musste.


Der Schnitt stammt aus Meine Nähmode Sommer 2012 und mausert sich nun zu meinem Lieblingsschnitt. Ich mag die Taschen, in denen so viel passt. Ich mag die Länge und das Potential an Variationen, welches der Schnitt mit sich bringt. Ich werde diesen Schnitt künftig wohl mit Sicherheit noch einmal nähen, daher nenne ich ihn der Einfachheit halber "Modell mela".

An Arbeit steckt in diesem Rock inklusive Zuschnitt und Essenspausen acht Stunden – verteilt auf drei Tage. Insgesamt darf man den Aufwand als minimal bezeichnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Verarbeitet habe ich bis auf den letzten Quadratzentimeter meinen Rest an Cord und vom grünen Schrägband ist jetzt auch nur noch knapp ein Meter da.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem neuen Rock. Auch wenn es mehr oder weniger eine Kopie eines bereits bestehenden Exemplars ist.

Kommentare:

  1. Ich muss auch gestehen,
    das ich von allen meinen selbstgenähten Sachen fast keines regelmäßig trage

    und irgendwie beruhigt mich es sehr, dass es anderen genauso geht

    Woran das bei mir liegt:
    Ganz früher waren die Sachen einfach grausam, die ich genäht habe ^^
    Dann hab ich eher sachen genäht, die total abgefahren sind oder ganz besonders, die man kaum im Alltag trägt
    zB Korsetts, Corsagen, Korsettjacke, Kimono, Lackzeug

    manchmal trau ich mich einiges nicht zu tragen, weil ich irgendwie weiß, "wo" die Schwachstellen sind
    und manchmal sind sie doch zu gut auf Figur geschnitten, so dass sie fast wieder sehr ungemütlich sind
    komisch irgendwie!

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  2. Der Plan, erst mal mit gekauften Kleidungsstücken zu schauen, ob einem das überhaupt dauerhaft zusagt, ist eine gute Idee. :)
    Modell mela gefällt mir jetzt auch sehr gut... Ich habe das Gefühl, ich sollte dringend einen Rock mit Taschen nähen. Röcke, die ich auch im Winter und zur Arbeit tragen kann, habe ich nämlich nur zwei.

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  3. Mimi, näh mal aus versehen das Modell Mela eine Nummer größer .. *husträusper* .. .:D

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