Mittwoch, 17. April 2013

Ich suhle mich im Klischee

Wenn man sich mal die Zeit nimmt, sich selber zu fragen, ob man in irgendeiner Weise irgendeinem Klischee entspricht, so wird einem die Antwort nicht gefallen.
Auch wenn ich in vielen Punkten nicht dem klassischen Klischee entspreche (ich als Frau hasse es zum Beispiel, Schuhe einzukaufen und hatte noch nie Probleme, mit dem Auto rückwärts einzuparken), so muss ich doch einräumen, dass ich einige Klischees wohl erfülle: Ich habe einen Putzfimmel und gebe Alltagsgegenständen einen Vornamen (mein Auto heißt Justus, meine Nähmaschine Erika), ich trage ausschließlich schwarz und habe eine Neigung zum Morbiden, Düsteren. Das Argument „Es ist schwarz“ sticht so manch rationaleres Argument einfach aus (ein silbernes Auto ist z.B. wesentlich pflegeleichter, aber es ist nun einmal nicht schwarz…).  Mein Humor ist trocken, aber immerhin vorhanden. 
In meinen Augen bin ich eines aber nicht – der Klischee-Gruftie. Ich mag Rüschen, Schleifchen und Spitze gerne betrachten, aber den Weg in meinen Kleiderschrank oder Leben werden sie bestimmt niemals finden. Samt, (Poly-)Satin, Seide – vielleicht in meinem Stofflager, aber gewiss nicht im Schrank oder gar an mir selber. Bedruckte Stoffe mit Totenköpfen, Särgen, Geistern, Spinnen und Fledermäusen wird gerne in Patchwork-Projekten verwendet, sonst aber nicht. Historische Gewänder (wie die aus dem viktorianischem England) werden gerne bestaunt und für toll befunden, aber wegen ihrer Alltags-Untauglichkeit sonst abgelehnt.



Hin und wieder aber schaue auch ich gerne mal über den Tellerrand. Und so habe ich wieder an einem SWAP im grünen Forum teilgenommen, zum Thema Gothic Klischee. Bewerkeln durfte ich QueenofDark und ich ging förmlich im Rüschen-, Falten- und Klischee-Wahn auf. Ja, es hat richtiggehend Spaß gemacht. Und das Ergebnis lässt sich meiner Meinung nach auch noch sehen.
Gewerkelt habe ich ihr nämlich ein Armband, einen Tassen-Pullover, ein Paar Gone-Batty-Armstulpen, ein Paar Belle Ruffle Gloves und eine kleine Kampftasche nach eigenem Schnitt.


 
Die beiden Stulpen habe ich nach den Anleitungen von Ravelry genadelt (Gone Batty in schwarz mit rot und die Belle Ruffle Gloves in schwarz mit weiß, die Wolle ist jeweils Lana Grossa Cotone), das Armband ist nach dieser Anleitung, die ich Dank Selene entdeckt hatte, entstanden (nur dass ich die Ränder der Faltenstücke versäubert habe und das Armband mit einem breiten Gummiband mit Druckknopf geschlossen wird).
 

Der Tassenpullover besteht aus dem ansabber-wüdigen Brokat aus den USA und ist dank Gummiverschluss ein wenig flexibel im Umfang.

Den Schnitt für die kleine Kampftasche habe ich schon vor drei oder vier Jahren mal entworfen.  Das Modell für QueenofDark  hat ein gefüttertes Innenleben in Weiß mit einer Seitentasche in Schwarz und einer Reißverschluss-Tasche für wichtiges. Ihren Schlüssel kann sie an den vorgesehenen Karabiner hängen. Geschlossen wird die Tasche mit zwei Druckknöpfen an der Klappe. Auf der Klappe selber ist ein Patch des Nevermore-Rabens (Edgar Allen Poe) drauf, den Selene mir netterweise gestickt hatte. Und die Henkel sind wie immer natürlich verstellbar.

 
 
 
 


Vor allem das Armband und die Tasche haben es mir selber sehr angetan. Und ich glaube, mir werde ich ähnliche Versionen auch noch nähen. Aber mela-tauglicher natürlich.

Kommentare:

  1. Oh meine Sachen *jubel* Ich glaube ich hab bisher noch nie realisiert dass ich doch so klischehaft grufitg bin :D

    Danke für den Link zur Anleitung, hab mich schon gefragt wie krieg ich das hin. Nochmals danke für die tollen Sachen.

    Bin schon auf die "mela-tauglichen" Sachen gespannt, bestimmt mit viel grün ^^

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  2. Ooooh... was für schöne Sachen... Toll!

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  3. Ooohhh,die Gone Batty sind ja anbetungswürdig...würdest du die auch als Auftragsarbeit werkeln?

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